24. August 2017

Was wir für unsere Arbeit von morgen brauchen

Was wir für unsere Arbeit von morgen brauchen (Bild: pixabay.com/Alexandra_Koch)
Was unsere Arbeitswelt heutzutage noch interessanter macht, ist die Tatsache, dass wir sie mitgestalten können. Wie sie für uns sinnstiftend wird und wie wir mithilfe dynamischer Gleichgewichte wieder zu uns selbst finden können, dazu ein paar Gedanken von unserem Geschäftsführer Stefan Fritz.

Mit der Aufklärung hat die Menschheit an Selbstbestimmung, Individualität und Freiheit gewonnen. Wir haben heutzutage so viel mehr Möglichkeiten unser Leben zu gestalten als die Menschen vor 200, 100 oder auch vor 20 Jahren. Freier in unseren Entscheidungen und freier darin unsere Vorhaben umzusetzen ist uns kein Berg zu hoch und kein Land zu fern. Wir lieben Extremsportarten, bei denen wir uns aus jeglichen Höhen in die Tiefe stürzen, ungesichert an Steilwänden hängen oder uns Hals über Kopf mit dem Fahrrad in Richtung Tal stürzen.

Höher, schneller, weiter. Immer auf der Suche nach dem besten Kick. Und in Zeiten, in denen die Technik sich Tag für Tag selbst überholt, jagen wir dem aktuellsten Trend hinterher, um stets up to date zu sein. Wir leisten uns den neuesten Schrei an Gadgets, einfach, weil wir es können. Und im besten Fall lockt noch die digitale Anerkennung, die wir uns durch  das Hochladen von Fotos in Sozialen Netzwerken gerne abholen. So funktionieren wir und unsere individuelle, total vernetzte Welt.

Arbeit im prädigitalen Zeitalter

Noch vor wenigen Jahrzehnten war alles irgendwie starrer. Die Ausbildung fürs Leben, der Job fürs Leben, das Haus fürs Leben. Mit Hierarchien und ein wenig bürokratischem Aufwand wurden viele Menschenleben plan- und vorhersehbar.

Durch Taylor haben wir gelernt, dass man alle Arbeitsprozesse in viele kleine Ablaufabschnitte – ohne Überraschungen – gliedern kann. Um damals ein wenig Dynamik finden zu können, musste man schon ein paar Schritte zurückgehen und in größeren Zeitabständen auf sein berufliches Leben schauen.

Früher beinhaltete ein glückliches Arbeitsleben Anstrengen und Hocharbeiten. Und wer seinen Platz zwischen den Kollegen gefunden hatte, der konnte es nach ein paar Jahren auch ein wenig ruhiger angehen lassen. Dann konnte man sich ehrenamtlich engagieren, oder als stolze Großeltern den gestressten Jungfamilien unter die Arme greifen. – Das war das Leben vor der Digitalisierung.

Alte Denkmuster in neuer Umgebung

In der heutigen digitalen Welt sieht das Leben schon weit hektischer aus. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen, denn wir können an jedem Ort arbeiten, weil wir fast überall vernetzt sind  Wir fühlen uns wie in einem Hamsterrad, trauern unserer vermeintlichen Autonomie nach und stellen uns Sisyphus als glücklichen Menschen vor. Wir versuchen uns dagegen zu wehren: Mit Work Life Balance, Yoga, Fitness und einer Reihe spannender Freizeitaktivitäten bauen wir den im Arbeitsleben angehäuften Stress wieder ab, glauben wir.

Mithilfe von ToDo-Listen, den neuesten digitalen Services und Coaches versuchen wir, Taylors Grundsätze auch auf unser privates Leben anzuwenden und es so unter Kontrolle zu bekommen.

Gefangen in einfachen Modellen

Wir sind gefangen in unserer statischen Welt der einfachen Modelle: Actio gleich Reactio. So haben uns das die Wissenschaftler seit ein paar hundert Jahren eingebläut. Was für ein Blödsinn!

In einer vernetzten Welt ist alles mit allem verbunden. Uns wird immer mehr bewusst, dass auch alles von allem abhängig ist, denn wir leben in Ecosystemen. In Kreisläufen mit komplexen Abhängigkeiten. Mit schnellen chemischen Prozessen und überlagernden langsamen Effekten. Unsere statischen Modelle nützen uns in einer solchen Welt nichts mehr. Sie gelten nur noch für kurze Zeit oder in speziellen Situationen.

Gute Einstellung @detaix! #newwork #arbeit40 #lovewhatwedo

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Zeit für ein neues Gleichgewicht

Unsere Aufgabe heute ist es, die verschiedenen, voneinander unabhängigen Einflüsse und Kräfte, die auf uns einwirken, in ein neues Gleichgewicht zu bringen. In der Technischen Mechanik wird das Gleichgewicht zwischen äußerer Kraft und Trägheitskraft als Dynamisches Gleichgewicht bezeichnet. Auch die Systemtheorie hält wichtige Denkanstöße für uns bereit.

So wird auf einmal klar, dass mehr Arbeit nicht automatisch mehr Freizeit erfordert. Und auch eine Waage hilft uns nicht, zwischen Arbeit (Work) und Leben (Life) zu balancieren. Wir brauchen keine neuen größeren Gewichte auf der anderen Seite, die an uns zerren. Wir brauchen echte unterschiedliche Kräfte, die wir in ein dynamisches neues (Sinn-) Gleichgewicht setzen und uns damit ein dynamisches Gleichgewicht schaffen.

Erreichen können wir dieses Gleichgewicht, indem wir in unserer Arbeit mehr sehen als das Mittel zum Zweck, d.h. um uns ein paar Brötchen kaufen zu können.

  • Arbeit als Gelderwerb (universelle Tauschbarkeit)
  • Arbeit, um uns selber mit Dingen zu versorgen, die wir zum (besseren) Leben brauchen.
  • Arbeit zur Sinnstiftung und Erfüllung („Berufung“).

Wir haben das Privileg, dass Arbeit uns heutzutage mehr bietet als das, was das Wort im herkömmlichen Sinne aussagt. Der Mensch möchte Einfluss nehmen, mitgestalten, sich verändern und etwas prägen. Diese Mitgestaltung ermöglicht uns Talentförderung und Fähigkeitsentwicklung und im besten Fall weckt sie unsere Leidenschaft für das, was wir tun. Je mehr unsere Tätigkeiten uns Spaß machen, Erfolgserlebnisse mit sich bringen und unsere Talente fördern, desto sinnstiftender werden sie. Das ist in der Vielfalt der heutigen Arbeitswelt deutlich öfter möglich als früher.

Warum sollten wir in unserer vernetzten Welt 30 Jahre warten, um alle Formen der Arbeit einmal auszuprobieren?

Warum rennen wir einem falschen Freiheits- und Freizeitbegriff hinterher?

New Work: Arbeit 2.0

Wenn wir akzeptieren, dass unsere Freiheit spätestens da aufhört, wo wir in die Freiheit anderer eingreifen oder sie beeinflussen, und wir uns bewusst machen, dass die erstrebenswerte Freiheit nicht Wahlfreiheit, sondern Handlungsfreiheit ist, dann wird unser Verständnis von Arbeit völlig neu definiert.

Mit dieser Denkweise erreichen wir unsere maximale Freiheit durch unseren eigenen individuellen und dynamischen Arbeitsmix. Diese „neue Arbeit“ (Arbeit von morgen) kann uns erfüllen und befriedigen, wie Frithjof Bergmann es in seinem New Work-Konzept darstellt.

Und wenn wir das auch noch selbständig hinbekommen, indem wir einfach mal auf das hören, was wir selber wollen und brauchen, dann sind wir auf dem besten Weg, uns in der komplexen und hektischen Welt von heute ein eigenes dynamisches Gleichgewicht zu erstellen.

Viel Spaß dabei!

(Stefan Fritz)

Der Artikel erschien zuerst auf stefanfritz.de.

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