13. Juni 2017

Warum wir den On Premise-Ansatz aus unseren Köpfen verbannen sollten

Warum wir den On Premise-Ansatz aus unseren Köpfen verbannen sollten (Bild: geralt/pixabay.com)
Wo sollten Unternehmensdaten liegen, damit sie hochverfügbar und trotzdem sicher sind? In der Diskussion um On Premise-Befürworter, Cloud-Skeptiker und immer neue Sicherheitsaspekte geht es letztlich um alte Machtstrukturen, erläutert unser Geschäftsführer Stefan Fritz. Doch was brauchen wir wirklich, um die veränderten Geschäftsprozesse unseres neuen Weltbilds im Zeitalter der Digitalisierung sinnvoll zu umzusetzen?

Warum sich On Premise und Digitalisierung ausschließen

Eine ganze sterbende Industrie bemüht sich um Abgrenzung und definiert On Premise als das, was „vor Ort“ läuft. Wo genau bei einem Unternehmen „vor Ort“ ist, ist schwierig herauszufinden, haben doch sowohl Mittelständler als auch Konzerne spätestens vor 10 Jahren damit begonnen, ihre IT massiv zu zentralisieren. „Vor Ort“ ist dann genau da, wo das Machtzentrum der IT ist. Entweder am Firmensitz oder an einer anderen zentralen Stelle.

Und genau seit diesem Zeitpunkt wissen die von der Macht etwas weiter entfernt sitzenden Unternehmensteile, dass man Desktops zentral in einem Rechenzentrum bereitstellen kann. Die vorherrschenden Gedanken hinter diesem Trend der vergangen Tage waren: Zentralisierung, Economies of Scale, Standardisierung und natürlich Machtsicherung. 

Pseudo-Argumente der Befürworter

Zur Anbindung der Außenstellen und verteilten Standorte hat man damals vor allem Standleitungen, Festverbindungen oder MPLS-Netze genutzt, weil das Internet als viel zu unsicher galt.

Solche Verbindungen kann man gegenwärtig nicht ‘mal mehr bei der ehrwürdigen Telekom kaufen. Die Netzbetreiber realisieren heute sichere Anbindungen als VPN-Verbindungen über das Internet und sparen damit nicht nur für die Kunden, sondern auch für sich selbst eine Menge Kosten, weil das teure, proprietäre Equipment entfällt.

Damit fällt zugleich ein wichtiger Teil der Definition für Cloud Computing weg. Denn Cloud Computing umfasst per Definition über das Internet bereitgestellte IT-Dienstleistungen.

Aber On Premise-Befürworter haben noch weitere Argumente auf Lager: Klar kann man das eine oder andere in die Cloud auslagern, aber die wichtigsten Daten sollen bitte „zuhause“ bleiben.

Bei diesen Pseudo-Argumenten fragt man sich dann doch: Wie kann jemand mit einer solchen Logik überhaupt für die Sicherheit von Daten sorgen?

Warum sich On Premise und Digitalisierung ausschließen

Parallel zur On Premise-Diskussion darf natürlich die Chefinitiative zur Digitalisierung nicht fehlen. Dabei soll verbunden werden, was alte Vorgehensweisen zur Effizienzsteigerung einst auseinandergerissen haben.

Wenn wir dann in Zukunft alles Mögliche miteinander verbinden, z.B. die Prozesse und Daten von Lieferanten oder Kunden – wo genau ist dann nochmal On Premise?

Echte Digitalisierung führt dazu, dass es kein Drinnen und Draußen und auch kein On Premise oder Cloud Computing mehr gibt. Die verschiedensten Prozesse werden über das Internet zusammengeführt.

In diesem Weltbild geht es nicht mehr darum, Daten zu besitzen und durch meterdicke Wände in eigenen Rechenzentren zu schützen. Denn damit die Daten zum Leben erweckt werden können, müssen sie sowieso zu Kunden oder Lieferanten gebracht und mit anderen Daten verbunden werden.

Notwendig: integrierte Konzepte für Prozessketten

In Zukunft werden wir Prozessketten betreiben und absichern müssen. Egal wo die Daten liegen und egal wo sie verarbeitet werden: Als digitalisiertes Unternehmen müssen wir sowohl unsere eigenen Daten, als auch die unserer Kunden und Lieferanten schützen (können). Dafür brauchen wir neue integrierte Ansätze und Konzepte und keine Diskussionen über Begriffe aus alten Tagen.

Wir werden uns an Multisourcing nicht nur für die Algorithmen (Software) gewöhnen müssen, sondern auch daran, dass wir als Unternehmen für die Prozessqualität verantwortlich sind, wenn wir die Daten nicht im direkten Zugriff haben.

In dieser Zukunft der echten Digitalisierung gibt es also weder On Premise noch Cloud Computing. Vielleicht sollten wir einfach mal schauen, welche Dienstleister dann doch offensichtlich noch nicht das richtige Verständnis der Digitalisierung mitbringen und damit wahrscheinlich auch keinen guten Beitrag leisten können.

(Stefan Fritz)

Der Artikel erschien zuerst auf stefanfritz.de.

 

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