20. Januar 2017

Wieso wir auch in der digitalen Welt eine Werte-Orientierung benötigen

Wieso wir auch in der digitalen Welt eine Werte-Orientierung benötigen - Foto: synaix

Unternehmer-Dialog des Bistums Aachen in der Citykirche  

Bistum Aachen und Domkapitel Aachen laden Unternehmen der Region ein zum Dialog: Bei der Veranstaltung „Werteorientiert den digitalen Wandel gestalten“ standen die Themen Innovationsmanagement und Digitalisierung im Fokus – unter dem Aspekt, wie diese zum Wohle der Menschen ausgerichtet werden können.

Das Konzept des Abends mit den Blöcken Sehen – Urteilen – Handeln ermöglichte nach einem umfassenden Einstieg eine rege Diskussion aller Beteiligten mit der Formulierung konkreter Handlungsoptionen:

  1. Sehen: Wie verändert sich Wirtschaften durch den Innovationsschub Digitalisierung?
  2. Urteilen: Welche wirtschaftlichen und ethischen Herausforderungen ergeben sich daraus für die handelnden Personen, Entscheider im Unternehmen und Mitarbeiter und wie sind sie miteinander vereinbar?
  3. Handeln: Wie können Unternehmen und Kirche die neuen Herausforderungen für die Menschen im Unternehmen mit ihren Chancen und Risiken angehen?

Sehen

Mit zehn provokanten Thesen, in welch radikaler Form Digitalisierungs- und Innovationsprozesse in nächster Zeit unsere Zukunft beeinflussen werden, rüttelte Prof. Frank Piller (Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement der RWTH Aachen) die Zuschauer auf und sorgte für einen gelungenen Einstieg.

Urteilen

Ethische und soziale Aspekte der Digitalisierung waren Thema der anschließenden Talkrunde mit Generalvikar Dr. Frick, Prof. Piller und dem Sozialwissenschaftler und Philosophen Prof. Joachim Söder von der KatHO Aachen. Die drei steckten ein spannendes Terrain von möglichen Seelsorgerobotern über den drohenden Verlust von Autonomie bis hin zum bedingungslosen Grundeinkommen ab.

Einigkeit bestand über die steigenden Bildungsanforderungen im Zeitalter der Digitalisierung. Während Prof. Söder davon ausgeht, dass die Inhalte der Lehrpläne an der KatHO bereits dem Thema Digitale Gesellschaft Rechnung tragen, sieht Prof. Piller im Bereich der technischen Ausbildung an der RWTH Aachen noch Handlungsbedarf.

Handeln

Der Hauptteil des Abends war dem Thema Handeln gewidmet: Vertreter des Domkapitels, des Bischöflichen Generalvikariats, des enactus e.V. sowie Aachener Unternehmer berichteten, wie sie Digitale Transformation in der Praxis umsetzen, und erläuterten Handlungsmöglichkeiten.

Handlungsoptionen für Unternehmer zur Werte-orientierten Digitalisierung - Foto: synaix Sarah Güsken stellt Smart Emma vor, die e-Commerce-Plattform für lokale Einzelhändler - Foto: synaix

Hier stellte auch synaix Geschäftsführer Stefan Fritz seine These vor. Seiner Meinung nach bestehen gute Chancen, dass Unternehmen mit einem europäischen und christlichen Wertekanon erfolgreich digitalisieren können, ohne alle Attitüden und Folgen der Silicon Valley-Mentalität zu übernehmen. Horizontale Digitalisierung und faire digitale Plattformen können dafür erfolgreiche Modelle sein.

Als Verbraucher haben wir einen massiven Einfluss darauf, wie die digitale Welt von morgen aussieht, so Fritz‘ weitere Aussage. Wenn wir uns Sorgen machen, was mit unseren Daten geschieht, sollten wir zuerst unsere Erwartungshaltung zu kostenlosen Angeboten überdenken. Nur wenn wir bereit sind, Anbieter für ihre Leistung fair zu entlohnen, können wir einen respektvollen Umgang mit unseren Daten erwarten.

Austausch

Die angesprochenen Handlungsmöglichkeiten wurden in den folgenden offenen Table-Sessions von allen Teilnehmern rege mit den Referenten diskutiert und anschließend konkrete Handlungsempfehlungen formuliert.

Austausch in den Table-Sessions - Foto: synaix

Ein tolles Veranstaltungsformat, das uns mit seinem Konzept, den interessanten Referenten und seiner Umsetzung als Rahmen für konkrete Maßnahmen begeistert! Jetzt sind wir gefragt, den Geist dieser inspirierenden Veranstaltung und die Handlungsempfehlungen in unserem Alltag umzusetzen!

(Barbara Schilling)

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