10. November 2016

Die Digitalisierung des Handels bietet vor allem Chancen!

Die Digitalisierung des Handels bietet vor allem Chancen! - Foto Copyright © Charlemagne Grenzregion

Das 5. Trinationalen Einzelhandelsforum der Charlemagne Grenzregion am 3.November in der Kopermolen Vaals stand unter dem Thema „Handel ist Wandel“. Sarah Güsken vom Institut für Unternehmenskybernetik (IfU) der RWTH Aachen, die das Projekt Smart Emma vorstellte, und ich waren eingeladen, unsere Sicht auf die Chancen durch Digitalisierung des Handels darzulegen. Unter der Moderation von Ralf Raspe entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

Charlemagne Grenzregion
In dieser Kooperation haben sich 2011 die grenzanliegenden Kommunen Stadt Aachen, StädteRegion Aachen, Vaals, die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, Heerlen und die Parkstad Limburg zusammengeschlossen, um in den Themenfeldern Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Infrastruktur einen engeren Austausch zu pflegen.

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Einkaufen als gerichtete Kommunikations-Transaktion

Der bewusste Einkauf eines Gegenstandes hat etwas Magisches. Die schrittweise technologische Verbesserung der Möglichkeiten des Handels in den letzten 5000 Jahren hat jedes Mal riesige Entwicklungssprünge in unseren Gesellschaften ermöglicht. Bei einer solchen gerichteten Kommunikations-Transaktion haben beide Seiten das motivierende Gefühl, einen guten Tausch gemacht zu haben (und das nicht nur beim Schuhe kaufen ;-)).

Von dieser menschlich befriedigenden Kommunikationsbeziehung bleibt in unserer heutigen Geld- und der noch abstrakteren Kreditkartenwelt in einem Supermarkt oder an einer Wertpapierbörse nicht viel übrig.

Und ein Großteil der Händler in den Innenstädten hat vor allem Angst vor Amazon als dem übermächtigen Gesicht des Onlinehandels. Aber nicht nur die „Noch-nicht-Onlinehändler“ haben Angst, auch die Verbraucher fürchten sich: vor dem gläsernen Verbraucher.

Sarah Güsken stellt das Projekt Smart Emma vor - Foto Copyright © Charlemagne Grenzregion

Der Tante Emma Laden wird digital

Ein konkretes Angebot, den Handel mit Food-Produkten für kleine und mittlere Händler und auch für Erzeuger zu digitalisieren, ist Smart Emma. Smart Emma ist ein Projekt zum Aufbau einer digitalen Kooperationsplattform für regionale Lebensmittelhändler in Aachen. Durch den digitalen Zusammenschluss von Verbrauchern, umweltfreundlicher Logistik, regionalen Lebensmittel-Einzelhändlern, Entwicklern zukunftsweisender Technologie und Forschung in Aachen wird eine digitale Online-Shopping Plattform erstellt.

Smart Emma
Ziel des Projekts ist die Stärkung des regionalen Handels durch die Digitalisierung des „Tante-Emma-Ladens“. Dafür wird eine Plattform für regionales Online-Shopping mit kombinierten Warenkörben entwickelt. Die Auslieferung an die Kunden erfolgt mit einer intelligenten, flexiblen und umweltfreundlichen Lieferlogistik.

Über die Plattform erhält der Nutzer via App und Website die Möglichkeit, seinen individuellen Warenkorb durch die Kombination der Produkte verschiedener Händler zusammenzustellen und bis zur Haustür liefern zu lassen. Gleichzeitig werden die Lebensmittelhändler über die Plattform sowie Business Intelligence-Anwendungen zum individuellen Online-Vertrieb ihrer Produkte befähigt. Die Lieferung der Waren erfolgt umweltfreundlich durch elektrische Lasten-Fahrräder. Für eine optimale Tourenplanung wird ein intelligenter Algorithmus entwickelt. Ebenso steht die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells im Fokus des Projekts. Die zahlreichen Rückfragen und die ausführliche Diskussion zeigten das rege Interesse der teilnehmenden Händler an dem Konzept.

Vom Verkaufsprozess zur Servicebeziehung

In meinem Beitrag „Der Mensch entscheidet wo er einkauft, nicht die Technologie“ ging es um den Umbau von produktorientieren Verkaufsprozessen hin zu langfristigen und dauerhaften Servicebeziehungen. Dies ist eine Chance vor allem für Händler, die einen intensiven Kontakt mit ihren Kunden pflegen und sich schon heute Gedanken darum machen, was der Kunde wirklich für einen Nutzen aus der heutigen Lieferbeziehung hat.

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Die Aufgabe und Herausforderung des Einzelhandels liegt darin, für die Zukunft durch Integration und Bündelung mehrerer (verschiedener) Einzeltranskationen einen neuen Nutzen für den Verbraucher zu schaffen.

Vielleicht entwickelt sich aus den vielen Gesprächen und Diskussionen ein neuer digitaler Dienst von dem wir hier berichten können. Uns würde es freuen.

(Stefan Fritz)

Alle Fotos der Veranstaltung Copyright © Charlemagne Grenzregion.

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