20. September 2016

Die Energiewende verhindert die Zukunftsfähigkeit Deutschlands als Digitalstandort

Die Energiewende verhindert die Zukunftsfähigkeit Deutschlands als Digitalstandort - Foto: pixabay.com/hpgruesen

Wie unsere Politik die digitale Transformation sabotiert   

Wenn es um digitale Innovation geht, schauen die meisten Augen bewundernd ins Silicon Valley. Politiker und Firmenlenker machen Reisen dorthin – einige für ein paar Tage, andere gar für ein paar Monate, um all das einzusaugen und zu kopieren was diese Hockeykurven in den Geschäftsentwicklungen möglich macht. Aber ist das wirklich der zentrale Punkt? Müssen wir exponentiell wachsenden Geschäftsmodellen hinterher rennen?

Mit der digitalen Agenda will die Politik den Anschein erwecken, als gäbe es einen Masterplan für die digitale Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Mit drei Oberpunkten werden attraktive Wählerschichten angesprochen:

Ziele der digitalen Agenda

Sicherheit, Schutz und Vertrauen für Gesellschaft und Wirtschaft: Der deutsche Datenschutz ist nicht nur ein Hindernis beim Umsetzen digitaler Innovation, sondern kann auch einen Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft bieten.

Ja, absolute Zustimmung. Nur Hockeykurven kann man damit nicht erzielen. Aber das muss ja auch gar nicht sein.

Digitale Wirtschaft und digitales Arbeiten: Digitale Transformation ist ok, aber nur solange wir unsere liebgewonnen Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft nicht an die digitale Welt anpassen müssen. 

Sorry – so kann das nichts geben. Wir können nicht von den Unternehmen erwarten, sich neu zu erfinden und alles in Frage zu stellen, aber dabei fordern, dass sich der Einzelne im Arbeitsleben nicht auch anpassen muss an die neuen, immer flexibleren „on demand“- Anforderungen der digitalen Welt.

Digitale Infrastrukturen: Das liebste Kind der Politiker. Schließlich kann man mit schnellem Internet als Quasi-Grundrecht faktisch jeden Technikinteressierten ansprechen.

Dabei hilft uns das schnellere Internet heute vor allem dabei, schneller auf die Dienste der Silicon Valley Vorreiter zuzugreifen.

 

Was ist damit die echte Kernaussage einer Politik, die digitalen Unternehmern in Deutschland massive Hindernisse in Bezug auf Datenschutz und gesellschaftlichem Verständnis für Veränderung in den Weg stellt und zugleich den Nutzern Datenautobahnen verspricht, mit denen sie schneller auf die Angebote ausländischer Anbieter mit einem geringeren Datenschutz-Niveau zugreifen können?

Dazu fallen mir keine positiven Worte ein. Insofern kann man schon verstehen, wenn daraus Verschwörungstheorien abgeleitet werden.

Die Energiewende als größter Hemmschuh für Digitale Services

Doch es gibt noch einen weiteren Punkt, der deutsche Digital-Unternehmen im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn aktiv benachteiligt – ein deutsches Alleinstellungsmerkmal:
Die Energiewende und damit verbunden die EEG-Umlage. Bei uns in Deutschland kostet der Strom ganz simpel doppelt so viel wie in allen Nachbarländern. Bezogen auf die Betriebskosten für digitale Services kann das schnell 30 Prozent der Gesamtkosten zum Betrieb einer Infrastruktur ausmachen. Bei solchen Preisen für as a Service Modelle und digitale Plattformen in Deutschland lachen dann nicht nur die Kollegen im Silicon Valley über uns, sondern auch alle europäischen Nachbarn.

 

Liebe Politik,
wir Unternehmen und Startups in der digitalen Wirtschaft könnten unseren Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft deutlich besser wahrnehmen, wenn Ihr uns ein paar Steine weniger in den Weg legen würdet! Der deutsche Datenschutz ist eine gute Sache, für die es sich lohnt einzustehen und daher digitale Dienste anders aufzubauen als unsere amerikanischen Kollegen. Aber dann erwartet bitte auch kein nächstes Google oder Facebook aus Deutschland von uns. Unsere zarten digitalen Pflänzlein aber durch die Kollateralschäden der ökologisch sinnvollen Energiewende zu sabotieren, ist jedoch ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn und echte menschliche Energievernichtung. Da gibt es sinnvollere Methoden der Ressourcen-Allokation für eine Gesellschaft!

Die Hindernisse aus der Energiewende sind kein lokales Problem!

Die FAZ hat das Thema interessanterweise auch kürzlich einmal aufgegriffen. Das Interview mit Donald Badoux von Equinix erschien leider nur im Lokalteil für die Wirtschaftsregion Frankfurt.  Sind das Thema und die Zusammenhänge zu komplex, um eine größere Leserschaft damit zu behelligen?

Wir halten diese Nebenwirkungen der Energiewende für so relevant, dass wir diesen Beitrag nicht nur in unserem Lokal-Teil veröffentlichen ;-), sondern alle Digitalen Macher bitten, ihn zu teilen und damit weiter zu verbreiten!

(Stefan Fritz)

stefan.fritz

Ein Kommentar:


Klaus Kohorst

Oh Gott, da werden Themen miteinander verbunden, die nichts miteinander zu tun haben.
Allen sollte mittlerweile klar geworden sein, daß wir aus der Fossilen Verstromung heraus müssen.
Die Nuklear-Industrie war nur wirtschaftlich, weil der Staat imense Subventionen hineingepowert hat, um vieles höher als in die regenerativen. Noch nicht eingerechnet das hohe Risiko dieser Stromgewinnung und die Folgekosten der Endlagerung; wer aufmerksam ist, sieht, daß die Stromkonzerne versuchen, diese auf den Steuerzahler abzuwelzen. Das Problem der regenerativen ist, daß es sich hierbei um ein zutiefst demokratisches Verfahren handelt. JEDER kann anfangen, seinen eigenen Strom zu erzeugen; kein Monopol schützt hier die Gewinne.
Schon jetzt gibt es Zeiten des Strom Überangebot es, dabei hat noch nicht mal jedes Haus Solarpanel! Die Zukunft wird also nicht Strom sparen heißen. Probleme von heute, erzeugen Innovation en von morgen.
Das Problem der digitalen Zukunft ist selbst gemacht: Obwohl schon kostengünstige Alternativen vorliegen, werden anbetungsgleich Microsoft und Apple Produkte eingesetzt. Warum? Rumzujammern, daß es eine amerikanische ( Silicon Valley) Vorherrschaft gibt, bringt uns nicht weiter.
Ärmel aufkrempeln und das Problem anpacken! Nicht nach der Politik rufen ,um eigenes Versagen zu kaschieren: Viele Informatiker, Physiker und Mathematiker sitzen an der Uni und bearbeiten rein theoretische Grundlagen Probleme. Wieviele Stellen wurden/ werden von der Wirtschaft unterstützt, um den Digitalen Sektor voranzutreiben? Was für Manpower geht da verloren?!
Die Wirtschaft stellt sich hin und verlangt qualifizierte Mitarbeiter, am besten auf einem Silbertablett. Die USA hat verstanden, daß Eigeninitiative gefragt ist…