30. Juni 2016

Hörenswert: narando – Interessante Artikel unterwegs einfach vorlesen lassen

narando Gründer Christian Brandhorst im Gespräch mit Stefan Fritz - Foto: narando

Interview   

Hör´s doch! Die Plattform narando macht Artikel von Blogs und Zeitschriften hörbar, vorgelesen von geschulten Sprechern. Was liegt also näher, als das Gespräch von Stefan Fritz mit Christian Brandhorst, Mitgründer und Geschäftsführer von narando, auch via narando zur Verfügung zu stellen? Sie haben die Wahl: Weiterlesen oder einfach auf den Play-Button oberhalb dieses Textes drücken und zuhören…

Christian, mit dem Namen narando knüpft Ihr ja an das Lateinische narrare (erzählen) an. Jetzt erzähl Du mal: Wie funktioniert das für einen Publisher, seine Texte mit narando vertonen zu lassen, was hat er davon – und was ist Euer Geschäftsmodell?

Mit narando werden Texte wie Zeitschriften-Artikel oder Blog-Posts von Menschen vorgelesen. So können diese Inhalte auch unterwegs komfortabel angehört werden. Wir haben einen stetig wachsenden Pool an menschlichen Vorlesern und sind in der Lage, Texte sehr schnell als Audio-Format umzusetzen.

Mit unserem sogenannten Audio-as-a-Service Modell richten wir uns primär an Publisher wie Verlage und Blogs. Diese schätzen die extrem schnelle, flexible und authentische Audio-Produktion mit einer Vielfalt an „echten“ menschlichen Stimmen. Außerdem profitieren die Publisher von der Tatsache, dass sie sich um die technische Komponente keine Sorgen machen müssen. Die Bereitstellung der Sprachbeiträge übernehmen wir: mit intelligenten Webseiten-Integrationen und mit nativen Apps für Android und iOS.

Außerdem haben wir ein simples Preismodell: die Publisher zahlen die produzierten Audio-Minuten und eine Grundgebühr für die Bereitstellung.

Über die Vermarktung der Audio-Inhalte haben wir uns ebenfalls Gedanken gemacht. Wir bieten Werbepartnern die Möglichkeit, Pre-Roll-Spots vor Artikeln zu schalten, welche zur Zielgruppe passen.

Das war jetzt die Sicht auf die Seite der Content-Bereitsteller. Was ist denn der Nutzen für Eure Nutzer? Und wie hebt Ihr Euch von Euren Wettbewerbern ab?

Die Idee zu narando kam mir beim Pendeln während meiner Bachelor-Arbeit. Ich saß täglich längere Zeit im Auto und ärgerte mich, dass ich diese Zeit nicht sinnvoll nutzen konnte, wenn ich keine Lust auf Radio oder Musik hören hatte. Warum konnte man sich aktuelle Artikel nicht einfach anhören wie ein Hörbuch und so informiert bleiben?

Heute können sich Leser einer Webseite, die mit narando kooperiert, den geöffneten Text-Artikel direkt im Browser vorlesen lassen oder aber auf die Hörliste setzen. Diese kann dann via Smartphone auch komplett offline angehört werden – etwa im Auto oder beim Joggen. Das spart Zeit und ist komfortabel. Auch Menschen, für die Lesen aus irgendwelchen Gründen beschwerlich ist, profitieren von dieser Lösung. Da viele Verlage nicht nur online veröffentlichen, haben wir natürlich auch eine Lösung für Print-Objekte.

Auch für Print-Artikel bietet narando eine komfortable Lösung - Foto: narando

Auch für Print-Artikel bietet narando eine komfortable Lösung – Foto: narando

In der narando App können die Nutzer ganz neues Material und Themen entdecken und aus einer Vielzahl an kostenlosen Sprach-Beiträgen verschiedener Autoren und Publisher wählen.

Einige Verlage betreiben proprietäre Lösungen zum Vorlesen ihrer Texte, was häufig mit immensen Investitionen verbunden ist. Diesen Aufwand für Aufbau und Wartung des Services haben wir natürlich auch. Doch mit narando haben auch solche Publisher die Möglichkeit ihre Inhalte zu vertonen, für die es vorher zu komplex und aufwendig war.

Als unser Wettbewerber werden dabei die Maschinen angesehen, die Texte automatisiert vorlesen. Wir werden oft darauf angesprochen, dass Text to Speech (TTS) doch viel günstiger wäre. Unseres Erachtens wird es noch eine Zeit dauern, bis die ersten Radiomoderatoren oder Fernsehsendungen von Algorithmen ersetzt werden. Für eine authentische Aussprache längerer Texte eignet sich TTS noch lange nicht.

narando ist eine Hör-Plattform, was bedeutet das genau? Welche Ebenen verbindet Eure Plattform miteinander? Wir haben schon von Usern und Publishern gehört. Gibt es da noch weitere Plattformteilnehmer? – Und wie könnt Ihr damit skalieren?

Der Plattformgedanke bedeutet ja, dass die Plattform Akteure von den verschiedenen Seiten zueinander bringt. Bei uns sind das auf der einen Seite die Leser, die sich eine Audio-Version längerer Artikel wie Reportagen, Kolumnen, Ratgeber wünschen. Auf der anderen Seite gibt es Publisher, die diese Texte produzieren, bereitstellen und vermarkten. Diese nutzen narando als Dienst, weil sie selber eben nicht über die Möglichkeit einer effizienten Audio-Produktion und Auslieferung verfügen.

Und dann gibt es noch eine weitere Ebene von Plattformteilnehmern: unsere Vorleser, die sich quasi als Crowd-gesourcte Lieferanten schnell und kostengünstig um die sprachliche Umsetzung der Artikel kümmern. Vorteil: Sie können sich komplett auf das Vorlesen konzentrieren und haben keinen Stress mit Auftragsakquise, Kommunikation mit dem Kunden oder Rechnungen schreiben. Auf diese Weise entsteht eine Plattform mit Upstream und Downstream, die auf allen Ebenen skaliert.

Narando selbst stellt neben der Logistik auch die technischen Voraussetzungen für das Bereitstellen, Abspielen und Vermarkten der Sprachbeiträge. So entsteht weder für den Leser noch für den Publisher ein zusätzlicher Aufwand durch die Vorlesefunktion. Und das wissen alle Beteiligten zu schätzen:

Wir haben inzwischen mehr als 17.000 registrierte Nutzer für unsere App, die ja zugleich eine Art Magazin ist. Wie eben schon erwähnt, kann ich mir als User Beiträge aus unterschiedlichen Quellen nach Themengebieten anzeigen lassen und so ganz neue Publisher entdecken. Um die App zu nutzen, muss man übrigens nicht zwingend einen Account anlegen. – Also kommen zu den registrierten Nutzern noch eine nicht genauer bekannte Zahl nicht registrierter Nutzer und diejenigen, die sich Artikel direkt auf der Ursprungsseite des Publishers über das narando Plug-In anhören, so wie wir das für diesen Artikel anbieten.

 

Hörenswert: narando – Interessante Artikel unterwegs einfach vorlesen lassen - Foto: narando

Hörenswert: narando – Interessante Artikel unterwegs einfach vorlesen lassen – Foto: narando

Eure Idee der Artikelvertonung wird also gut angenommen und etabliert sich gerade bei immer mehr Publishern. Wie geht es weiter – woran arbeitet Ihr gerade?

Ja, die Artikelvertonung läuft sehr erfreulich. Derzeit stellen wir über 6.000 vertonte Artikel zur Verfügung – bislang wurden über 4 Millionen Hör-Minuten gestreamt. Die ersten Publisher kamen „naturbedingt“ eher aus der Tech-und Gründer-Ecke – wie t3n, Gründerszene oder Golem.de. Inzwischen sind die Themen deutlich weiter gestreut von Familie/Kinder über Der Postillon bis zum Unternehmensblog von Daimler – um nur einige zu nennen.

Und es sieht ganz so aus, als würde diese Diversifizierung nun einen ganzen Schritt weiter gehen: Wir haben aktuell Anfragen zu speziellen Unternehmensthemen, die ich super spannend finde. Die Idee ist, Mitarbeitern relevante Informationen gezielt über den Audio-Kanal zur Verfügung zu stellen, sodass diese die Arbeitszeit unterwegs sinnvoll nutzen können. Dabei geht es aktuell um Weiterbildung oder Produkt- und Branchenwissen für Außendienstmitarbeiter.

Das ist ja wirklich ein spannender Ansatz! Noch eine Frage zum Schluss: Ihr habt in Aachen angefangen, habt jetzt Euer Office nicht mehr in der Region Aachen. Gibt es etwas, was Ihr an Aachen vermisst?

Ich selber habe Aachen ja während meines Studiums kennen- und lieben gelernt. In dieser Zeit bin ich in die Aachener Gründerszene eingetaucht und habe viele wertvolle Kontakte aufbauen können. Das war eine tolle Erfahrung, die ich aus professioneller Sicht schon vermisse.

Hier in OWL (für die Rheinländer: Ostwestfalen) fehlt mir definitiv die unmittelbare Nähe zum Umfeld einer technischen Universität – Paderborn ist jetzt auch nicht direkt um die Ecke…

Der Grund Aachen zu verlassen, lag an der Distanz zu Freundin und Familie – für mich als Familienmensch hat in dieser Hinsicht die Familie „gewonnen“.

 

Das Interview führte Stefan Fritz

stefan.fritz

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