19. Januar 2016

Echte Digitale Transformation im IT-Servicemanagement braucht Trimodale Manager

Warum der Trend Bimodale IT einfach zu kurz gedacht ist │blog.synaix.de

Oder: Warum der Trend Bimodale IT einfach zu kurz gedacht ist

Ganz verkehrt kann diese (ITIL) Prozesswelt nicht sein, die in den letzten 20 Jahren in den IT-Abteilungen hart und mühsam erarbeitet wurde. Die verschiedenen Methoden zur Beherrschung von Mainframe, Virtualisierung und IT-Sicherheit wurden schließlich nach „Best Practise“ evaluiert. Doch die neuen Schlagworte heißen Agiles Vorgehen, Geschwindigkeit und Innovationskultur. Und da beide Ansätze anscheinend richtig und wichtig sind, sollen die IT-Abteilungen in den Unternehmen jetzt in beiden Modi handeln können – halt bimodal. Ein genialer Schachzug von den Theoretikern bei Gartner: statt sich zu entscheiden, welche Vorgehensweise besser ist, macht man einfach beides.

Dabei wird nach einer Klassifizierung der Vorgehensmodelle Vieles klarer:

  1. Die klassischen Projektmanagement-Konzepte und auch das in IT- Abteilungen etablierte ITIL-Modell sind ideal, wenn die grundsätzliche Aufgabenstellung bekannt und auch der Lösungsraum vorhersehbar ist. Unter diesen Vorzeichen können Planungsmethoden wie das Wasserfallmodell und andere Projektmanagement-Techniken ihre volle Wirksamkeit entfalten, denn dafür wurden sie entwickelt. Es besteht kein Anlass, diese Methoden bei bekannten Aufgaben und einem vorherzusehendem Lösungsraum nicht mehr anzuwenden. Auch in Zukunft kann und darf man IT so betreiben.
  2. Digitale Transformation hingegen erfordert regelmäßig das Vordringen in neue Szenarien. Die Aufgabenstellungen sind bekannt, aber der Lösungsraum soll bewusst nicht eingeschränkt werden. Unter diesen Vorzeichen kann man nicht mit dem Wasserfall Modell an die Aufgabenstellung herangehen. Agile Methoden wie Kent Beck sie entwickelt hat, sind deutlich besser geeignet zur Erkundung von unbekanntem Terrain: sie bringen schnell einen konkreten Lösungsansatz bis zur Umsetzung, der dann in kleinen schnellen Schritten verbessert werden kann. Bei geeigneten Aufgabenstellungen können Teams mit entsprechenden Fähigkeiten in effizienter Form gute und praxisnahe Lösungen mit diesem Ansatz produzieren..Das klingt ja ganz danach, als sei bimodale IT doch eine gute Lösung. Oder sind da etwa noch andere Herausforderungen zu berücksichtigen?
  3. Was ist, wenn schon die Aufgabenstellung unklar ist? Genau das ist häufig die Ausgangssituation, wenn Geschäftsmodelle angepasst werden müssen, weil die Digitale Transformation ihren Tribut fordert. Genau dann, wenn darüber nachgedacht werden muss oder sollte, ob nicht ein Plattform- Geschäftsmodell oder ein „as a Service“ Geschäftsmodell die große Chance für die Zukunft ist. In diesem Fall ist letztlich die Aufgabenstellung unklar und auch der Lösungsraum. Genau für diese Szenarien hat Steve Blank sein Lean Startup Modell entwickelt. Es kombiniert agile Vorgehensmodelle auf der Lösungsseite mit dem kontinuierlichen Anpassen der Aufgabenstellung durch einen übergeordneten Mess- und Feedback- Prozess.

Also hat Gartner wohl einen Modus übersehen und wir brauchen eigentlich die trimodale IT! Haben wir also schon den TopTrend fürs nächste Jahr? Oder wir denken nochmal nach. Wieso sollte ein IT-Verantwortlicher/ Manager in der heutigen Zeit mit seinem eigenen Team alle erdenklichen Szenarien abdecken müssen? Ist es nicht sinnvoller, mit der eigenen Mannschaft genau das Knowhow vorzuhalten, das in den nächsten Jahren am dringendsten im Unternehmen gebraucht wird?

Auslagern kann man etwa den „lästigen“ Regelbetrieb. So kann man die eigenen Ressourcen für die schnelle und agile Anpassung an Markterfordernisse einsetzen. Oder man kauft sich die flexiblen Ressourcen von außen zu, um sich innen auf stabile und ausgereifte Prozesse verlassen zu können. Viel wichtiger als das Drinnen und Draußen oder die verschiedenen Modi im eigenen Team wird damit das Management und die Orchestrierung von Services und die Definition der Schnittstellen zwischen diesen Diensten. Der CIO und CDO von heute muss den Bedarf richtig erkennen und dann mit internen und externen Ressourcen optimale Strukturen aufbauen, um den Erfordernissen der Geschäftsmodelle und Märkte optimal zu begegnen.

Aus diesem Blickwinkel ist bimodale IT kein erstrebenswertes Ziel einer IT-Abteilung für das gerade begonnene neue Jahr.

(Stefan Fritz)

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