05. März 2015

Effectuation – Unternehmerisches Handeln in einer nicht vorhersehbaren Welt

Effectuation ermöglicht in Situationen von Ungewissheit eine Vielzahl von Effekten © Nomad_Soul - Fotolia.com

Die digitale Transformation, die gerade unsere Welt in vielen Bereichen auf den Kopf stellt, verlangt vor allem den Unternehmern ein Umdenken und die ständige Auseinandersetzung mit der sich wandelnden Situation ab. Dr. René Mauer stellt in seinem Gastbeitrag das Konzept „Effectuation“ vor, das die kontext- und situationsabhängige Umsetzung von Geschäftsideen unterstützt.

Die IT-Branche wird häufig als Vorreiter für Management 4.0 angesehen, das die sogenannten agilen Managementmethoden umfasst. Eine Methode wie Scrum, die speziell im Kontext von Softwareentwicklung entwickelt wurde, hat auf diese Weise bereits eine deutliche Verbreitung erlangt. Als besonders charmant gelten die Aufteilung auf gröbere langfristige Pläne und die kurzfristigeren Detailpläne. Auf diese Weise werden komplexe Projekte handhabbar gemacht.

Freunde agiler Managementmethoden schauen vom Grundsatz her häufig rechts und links, um nach artverwandten Methoden zu suchen. Effectuation ist eine solche Methode, die auf Projekte abzielt, die mit größerer Ungewissheit behaftet sind – klassische Beispiele sind hier Innovations- oder Start-up-Projekte. Effectuation basiert auf empirischer Forschung zum Entscheidungsverhalten von erfolgreichen Unternehmern. Die Forschung ergab Verblüffendes: Statt den Heldenmythos fortzupflanzen oder das Bild des Unternehmers als Supermanager zu zeichnen, entpuppten sich diese Personen als Experten für eine Vorgehensweise, die vor allem auf Handlungsfähigkeit setzt.

Weder wurde beobachtet, dass die Unternehmer klare Ziele festlegten, noch kalkulierten sie die anzunehmenden Renditen möglicher Projekte. Vor allem Marktforschung standen sie überaus kritisch gegenüber, und eine detaillierte Planung inklusive Risikomanagement stand nicht auf ihrer To-Do-Liste. Das Muster, das stattdessen beobachtet wurde, folgte vier simplen Prinzipien:

  1. Ich starte ein grob umrissenes Vorhaben auf Basis der mir als Person direkt zur Verfügung stehen Mittel aus Präferenzen, Wissen und Erfahrungen sowie Kontakten.
  2. Ich investiere gerade so viel in meinen Aktivitäten, dass ich mir trotz eines eintreffenden Fehlschlags jederzeit einen neuen Ansatz erlauben kann.
  3. Ich begegne zufälligen Ereignissen sehr offen und erlaube diesen, mich in meinen Aktivitäten zu leiten.
  4. Ich treibe Projekte mit solchen Partnern voran, die sich dem Projekt über das Einbringen eigener Mittel und Ressourcen anschließen.

Effectuation ist in der Zwischenzeit zu einer Methode weiterentwickelt worden, die in den Baukasten der agilen Managementmethoden gehört und eine Form unternehmerischen Projektmanagements darstellt. Besondere Merkmale sind der Fokus auf die Identität der handelnden Personen und damit verbundene positive Effekte wie auf Freiwilligkeit basierende Zusammenarbeit, Motivation und Ressourcenschonung.

Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.effectuation.de und www.effectuation-intelligence.de.

(Dr. René Mauer)

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