16. Januar 2015

Mobilität im Wandel: Warum Tesla bei Aachener Unternehmern ankommt

Vorbild für innovative und umweltfreundliche Mobilität: Elektroautos von Tesla - Foto: privat

Öcher Unternehmer fahren deutsche Autos – oder?
Lange Jahre galt diese Maxime bei vielen deutschen Unternehmern. Wer seine Kunden für lokale Lösungen begeistern will, unterstützt auch selber die heimische Wirtschaft. Die Qualität stimmt und die Auswahl kann sich durchaus sehen lassen – bisher jedenfalls.

Doch die Anforderungen an Mobilität haben sich in den letzten Jahren gewandelt: Das Auto ist nicht länger Prestige-Objekt, sondern Mittel zur Mobilität.

– Gerade die junge Generation setzt dabei auf aktuelle Car-Sharing-Konzepte. Automobilhersteller wie Daimler und BMW haben sich mit eigenen Kooperationen und Angeboten neben lokalen Anbietern positioniert. Über die Apps der verschiedenen Anbieter ist das nächste freie Fahrzeug für Smartphone-Nutzer einfach auffindbar – und das Modell attraktiv.

– Menschen, die viel unterwegs sind, legen großen Wert auf Sicherheit und Komfort. Aufgrund der Entwicklungen der letzten 15-20 Jahren gestalten uns zahlreiche technische Assistenten das Autofahren heute sehr angenehm.

– Ein anderes wichtiges Thema jedoch wird von deutschen Automobilherstellern weitgehend ausgespart: Die konsequente Nutzung alternativer Energiequellen.

Und genau damit macht seit einigen Monaten das US-amerikanische Unternehmen Tesla Motors Furore. Mit seinen schnittigen vernetzten Elektro-Autos erobert das Unternehmen jetzt auch den deutschen Markt. Über das disruptive Marketingkonzept, das auf Werbung im eigentlichen Sinne verzichtet und stattdessen auf Kunden als Markenbotschafter setzt, haben wir ja bereits im Artikel Crowdgesourcte Werbung ohne Beigeschmack berichtet.

Die Marke Tesla präsentiert sich innovativ, umweltfreundlich und dabei ansprechend chic. – Genau so sollte ein Übergangs-Konzept vom „Besitz Auto“ zur einfach verfügbaren „Mobilität as a Service“ ganz ohne Fahrer aussehen.

Für Unternehmer mit dem Anspruch, Innovation voranzutreiben und die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig zu gestalten, stellt sich damit die Frage, wie sie Mobilität umsetzen: Loyal gegenüber deutschen Traditionen oder ganz ohne eigenes Auto? Da ermöglicht ein innovatives und umweltfreundliches Konzept à la Tesla einen interessanten Brückenschlag in die Zukunft.

Einige Aachener Unternehmer haben sich in letzter Zeit für ein Fahrzeug der Marke Tesla entschieden. Wir haben sie nach ihren Beweggründen gefragt:

Dr. Oliver Grün, Vorstand der GRÜN Software AG hat den Tesla Roadster vor fast zwei Jahren im Silicon Valley kennen gelernt und war begeistert. Er kaufte das Auto und stieß auf reichlich Skepsis, ob der Ansatz in Deutschland funktionieren könne. „Mein Fazit ist einfach“, sagt er nach 18 Monaten Alltagsnutzung: „Eine Plan-Wartung vom Tesla-Ranger, der vor die Tür kommt, null Probleme, wahnsinniges Fahrerlebnis, maximale Qualität, null Emissionen und 7 Euro für eine 350km Tankfüllung.“

Aufgrund der technischen Überlegenheit des Elektromotors erwartet er ein baldiges Umschlagen des Pendels. „Dann hat die deutsche Wohlstandsbringerbranche ein Problem. Hoffentlich wacht sie noch auf.“

Andera Gadeib, Mehrfachgründerin und CEO des Online-Marktforschungsunternehmens Dialego vergleicht die Situation zwischen Tesla und der deutschen Automobilbranche mit ihren eigenen Erfahrungen aus vielen Kundengesprächen. Den meisten Unternehmen falle das radikale Abschneiden der alten Zöpfe schwer. „Tesla hat das Alte hinter sich gelassen, um etwas ganz Neues zu schaffen. Und die deutsche Automobilbranche flickt währenddessen am bestehenden „Teppich“. Das Ergebnis ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Hybride sind die angebotene Lösung und wirken unmutig.“

Die klare Positionierung von Tesla gefällt ihr; man spüre in jedem Detail des Autos, dass sich dort Menschen richtig Gedanken gemacht haben, welchen Benefit sie dem Autofahrer geben wollen: „Tesla ist schlicht die Zukunft des Automobils. Elon Musk hat das verstanden und scheint dem bestehenden Angebot an Automobilen meilenweit voraus. Und einen Tesla zu fahren ist purer Spaß.“

Enervision-Geschäftsführer Christian Möllering beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten aktiv mit Elektroautos und hat sogar selber schon welche gebaut. „Technisch-physikalisch ist der Elektroantrieb auch nach 100 Jahren intensivster Forschung am Verbrennungsmotor diesem weit überlegen“ urteilt er. Für das Tesla Model S hat er sich entschieden, „weil es das einzige am Markt erhältliche Familien- und Langstrecken-taugliche 2,5 l – Auto ist, dass dabei noch angenehm beschleunigt und problemlos mit alternativen Energien gefüttert werden kann. Nicht nur das Konzept ist fast genial, mutig und konsequent;“ führt er aus, „der Wagen ist bis ins Detail innovativ, seiner Zeit voraus, ästhetisch gut gemacht und ich hoffe, dass sich deutsche Marktteilnehmer davon inspirieren lassen.“

Tesla füllt damit aktuell eine Nische: ökologisch vertretbare Mobilität im Zeichen von Innovation. Haben die deutschen Automobilhersteller die Entscheidung für das radikal Neue schlichtweg verschlafen oder sich bewusst dagegen entschieden? Schließlich befinden sie sich in dem Dilemma, die Weltmärkte auch weiterhin erfolgreich bedienen zu müssen. Und sowohl die Konzernbosse als auch die Politiker werden letztlich immer an Zahlen gemessen…

Mit ihren eigenen Carsharing-Angeboten machen Unternehmen wie Daimler und BMW deutlich, dass sie sich mit aktuellen Mobilitätskonzepten für den Massenmarkt auseinandersetzen und sich ihren Anteil daran sichern. Ob sie so weit gehen, den Zwischenschritt eines umweltfreundlichen Privatautos ganz zu überspringen, wird die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall dürfen wir gespannt sein, wie sich das Thema Mobilität in den nächsten Jahren weiter entwickelt!

(Barbara Schilling)

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