20. November 2012

Die ganze Wahrheit über die Strompreiserhöhungen

Energiewende heißt das Zauberwort, das in unseren Ohren gar nicht so zauberhaft klingt – vor allem nicht, wenn uns wie in diesen Tagen die Folgen bewusst gemacht werden: Die Stromversorger kündigen deutliche Erhöhungen der Endverbraucherpreise an. Dabei hat sich der Strompreis gar nicht erhöht – im Gegenteil, aktuell sinkt der Börsenpreis sogar leicht, weil zu viel Strom produziert wird. Was sich deutlich erhöht, sind die staatlich festgelegten Abgaben und Umlagen auf die Stromlieferung. Grund genug, sich diese mal genauer anzusehen.

Dass wir über die EEG- Umlage mit jeder Kilowattstunde verwendetem Strom auch Kosten mitbezahlen, die für die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen entstehen, ist uns bewusst. Hinzu kommt die KWK- Umlage für die Förderung der Stromerzeugung aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Weiter geht es mit der Umlage nach §19 Abs. 2 StromNEV, einem Ausgleich für die Netzentgeltbefreiung von stromintensiven Unternehmen des produzierenden Gewerbes. (Leider gehört der Bereich IT/ Rechenzentren mit seinen „virtuellen“ Produkten nicht zu diesen Betrieben). Und schließlich gibt es noch die Konzessionsabgabe an die Kommunen für die Mitbenutzung von öffentlichen Verkehrswegen durch Versorgungsleitungen. – Diese Abgabe hat aber nichts zu tun mit dem Netznutzungsentgelt, das die Stromanbieter schon in den Strompreis vor Steuern und Abgaben einrechnen, und das von 2011 von 2012 deutlich angehoben wurde.

Neben diesen Abgaben und Umlagen erhebt der Staat noch die Stromsteuer – im Volksmund Ökosteuer genannt. Sie dient eigentlich der allg. Förderung klimapolitischer Ziele, fließt aber de facto hauptsächlich in die Rentenkasse. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Mehrwertsteuer, die der private Verbraucher noch zusätzlich auf das gesamte Bündel (und damit auch auf einen Teil der Umlagen) zahlt.

Während die Stromsteuer und die Konzessionsabgabe für das neue Jahr erfreulicherweise unverändert bleiben, steigen die meisten Umlagen in 2013 drastisch an, wie die folgende Übersicht der Steuern, Umlagen und Abgaben in 2013 verdeutlicht:

Lieferjahr 2012
Preise in ct/kWh
Lieferjahr 2013
Preise in ct/kWh
Veränderung in ct/kWh
Veränderung in Prozent
Stromsteuer
2,050 2,050 0 0%
EEG-Umlage
3,592 5,277 1,685 46,9%
KWKG-Umlage
0,002 0,126 0,124 6200%
StromNEV-Umlage
0,151 0,329 0,178 117,9%
Offshore-Haftungsumlage*
0 0,250 0,250 neu
Konzessionsabgabe
0,110 0,110 0 0%
Gesamt 5,905 8,142 2,237 37,9%

Quelle: energiemartkplatz.de

*Die endgültige Fassung des Dritten Gesetzes zur Neuregelung energiewirtschaftsrechtlicher Vorschriften kann noch zu Änderungen für die Offshore-Haftungsumlage führen. Der Ansatz erfolgt daher vorbehaltlich einer abweichenden Regelung im Gesetz bei Verkündung.

Der Anteil der „staatlichen Strom- Nebenkosten“ wird damit in 2013 bei 64,4 Prozent liegen. Das überschreitet deutlich das Niveau der Mineralölsteuer…

Ein besonderes Politikschmankerl ist die in 2013 neu hinzukommende Offshore- Haftungsumlage: Jahrelang wurden Windparks in der Nordsee als Energiequelle für die Zeit nach dem Atomausstieg favorisiert und gefördert. Jetzt zeichnet sich ab, dass vor allem die südlichen Bundesländer eigene regionale Windparks bevorzugen. Hinzu kommen Probleme mit den Netzanschlüssen. Derzeit wird also Strom von den Anlagen produziert, kann aber nicht zum Verbraucher gelangen. Die Offshore- Umlage von voraussichtlich 0,25 ct/kWh soll Entschädigungszahlungen der Netzbetreiber an die Windpark- Betreiber finanzieren. Der Betrag kann sich ggf. bei abweichender Verkündung des Gesetzes noch verändern. Die Offshore- Umlage ist damit keine Investition in die Zukunft, sondern eine Art Schadenersatz für ein politisch inzwischen umstrittenes Konzept.

Wir sind bestimmt kein Freund der großen Stromkonzerne, aber wenn Verbraucher heute angesichts der deutliche Erhöhung der Strompreise auf die Stromkonzerne schimpfen, sollten sie schon differenzieren, dass sich aktuell die Abgaben erhöhen und nicht der Erzeugungspreis.

(Sebastian Pajor und Barbara Schilling)

Ein Kommentar:


[…] wir uns im letzten Jahr mit den verschiedenen Abgaben als Bestandteil des Strompreises auseinandergesetzt haben, betrachten wir diesmal insbesondere die EEG- Umlage. Derzeit ist sie der […]